Intelligente Mobilität kann jede Gemeinde umsetzen

Energie zu sparen und die vorhandene Energie zu nutzen – das sind die Vorgaben des Landes um das Ziel der Energieautonomie im Jahr 2050 zu erreichen. Das funktioniert aber nur, wenn sich auch die Mobilität im Land ändert. Noch immer macht der mobilisierte Individualverkehr knapp die Hälfte aller Mobilitätsarten in Tirol aus.

Im Bild: „Wir arbeiten mit Anreizen und keinen Verboten“, fasst der Bürgermeister Peter Brandauer im Rahmen des Kommunalgesprächs in Westendort zusammen. Foto: GemNova

Am Land liegt man bei 60 Prozent, während in der Stadt 29 Prozent der Menschen per Rad und 21 Prozent zu Fuß ihre Wege erledigen. Doch dass es auch anders geht, zeigt die Gemeinde Werfenweng in Salzburg, wo mit 12 E-Autos in einem Car-Sharing-Modell 30.000 Kilometer pro Auto und Jahr zurücklegen. „Wir arbeiten mit Anreizen und keinen Verboten“, fasst der Bürgermeister Peter Brandauer im Rahmen des Kommunalgesprächs in Westendort zusammen.

Wissenschaft, Praxis und viel inhaltliche Diskussionen standen im Fokus des Kommunalgesprächs in Westendorf, zu dem Gemeindeverband, Raiffeisen, das Institut für Föderalismus und GemNova geladen haben. Im vermeintlich abgearbeiteten Thema „Mobilität“ gibt es noch sehr viel zu tun, wie Univ.-Prof. Markus Mailer, Universität Innsbruck, bestätigt: „Mobilität wird eingesetzt, um unsere ganz ureigenen Grundbedürfnisse zu befriedigen. Interessant ist, dass über die Jahre die Wege an sich konstant bleiben. Wir wenden ein Drittel für Beruf und Bildung auf, ein Drittel trifft die Versorgung und ein Drittel wiederum betrifft Freizeit und Soziales. Was sich geändert hat, ist natürlich der Radius, den wir zurücklegen.“

Für Mailer ist daher eine Mobilitätswende nur möglich, wenn sich die Verkehrssysteme ändern. Als Verkehrsplaner sind die Vorgaben einfach, die Umsetzung aber durchaus fordernd. Mobilität muss intelligent geplant, nachhaltig und zukunftsfähig sein. „Wenn wir etwa von den Klimazielen des Landes ausgehen, dann müssen wir unser System radikal ändern. Um den Energiebedarf zu reduzieren, sollen nicht motorisierte Verkehrsarten gefördert werden. Wir müssen unsere privaten Wege wieder verkürzen, auch beim Gütertransport. Damit einher geht auch eine bessere Transporteffizienz. Bei uns fahren im Schnitt 1,23 Personen in einem Auto mit. Der Rest bleibt leer. Außerdem müssen wir am Ersatz der mobilen Energieträger arbeiten. E-Mobilität samt Infrastruktur ist eine nachhaltige Möglichkeit, wenn wir den Strom selber erzeugen“, erklärt Mailer die wissenschaftliche Seite.

Positivbeispiel Werfenweng

An kurzen Wegen wird in der Gemeinde Werfenweng in Salzburg schon seit dem Jahr 1994 gearbeitet. „Es ist ein Paket mit vielen kleinen Schritten, das heute Gästen und Einheimischen zu Verfügung steht. Wir haben das Auto nie verdammt, aber mit Anreizen gearbeitet“, freut sich Bürgermeister Peter Brandauer. Vieles war und ist Bewusstseinsbildung, was in Werfenweng passiert. „Mit der Einführung der SAMO-Karte (Anmerkung: = sanfte Mobilität) geben wir eine Mobilitätsgarantie ab. Der Gast kann bei uns ein Shuttle nutzen, das ihn schon am Bahnhof in der Nachbargemeinde abholt. Der Einheimische nutzt dies zu Überlandfahrten. 30.000 Fahrten pro Jahr verbuchen wir so bereits. Innerörtlich steht ein elektrisches Ruftaxi zur Verfügung, das auch als Nachttaxi eingesetzt wird. 12 E-Autos können in einem Car-Sharing-System flexibel gebucht werden. Der Strom dazu kommt aus unserem Sonnenkraftwerk. Pro Auto werden im Schnitt 30.000 Kilometer zurückgelegt“, so der stolze Gemeindechef aus Werfenweng. Auch die Spaßmobilität kommt nicht zu kurz: Von der Kutschenfahrt bis hin zu allen möglichen Fahrrädern bis hin zu Kinderrollern stehen den Gästen gratis Möglichkeiten zur Verfügung. Finanziert wird das Modell über Gästeumlagen je Nächtigung und derzeit noch über einen eigenen Gästebeitrag in Höhe von 10 Euro pro Urlaub. „Wir haben so in etwa 300.000 Euro Budget zur Verfügung. Wichtig ist uns, die Tourismusbetriebe, die heimischen Unternehmer und die Bevölkerung auch mitzunehmen. So sind etwa das Shuttle und das Ruftaxi vergeben. De Flotte wird nach Bedarf und Saison auf mehrere Fahrzeuge erweitert“, erklärt Brandauer. Auch Ausflugsprogramme sind Teil der Karte. Damit schafft man ein Gesamtangebot. „Wir wollen aber weitergehen. Wir haben beispielsweise viele Tagesgäste. Auch sie sollen Teil unseres Konzeptes der sanften Mobilität werden“, meint Bürgermeister Brandauer. Der Erfolg gibt den Werfenwengern Recht. Neben der deutlichen Zunahme der Nutzung der Angebote, ist es vor allem die Zahl der Nächtigungen, die innerhalb weniger Jahre von 160.000 auf über 270.000 gestiegen sind. „Ein Hotel ist dazu gekommen. Beim Rest ist es ganz einfach die verbesserte Auslastung“, sagt der Werfenwenger Bürgermeister Peter Brandauer.

Zum Kommunalgespräch

Das Kommunalgespräch ist eine gemeinsame Initiative von Gemeindeverband, Raiffeisen, Institut für Föderalismus und GemNova und soll in regelmäßigen Abständen regional interessante Themen von mehreren Seiten beleuchten. Die Veranstaltung in Westendorf lockte mehr als 45 Gemeindevertreter an.

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